Wasser! Fort! Au! Hilfe! Schön! Nicht!


Wasser! Fort! Au! Hilfe! Schön! Nicht!
Ein Ausstellungsprojekt von Leipziger Studierenden der Bildenden Künste

Am Hamburger Hauptbahnhof - Hachmannplatz - Bieberhaus
2. Juni - 1. Juli 2007

Finissage Samstag, 30. Juni 2007 - ab 20 Uhr



Au!
Zentral gelegen, am Hamburger Hauptbahnhof, öffnet sich am 1. Juni ein neuer Raum mit junger Kunst. Eine Künstlerinnengruppe und sieben Künstler stellen in der zweiwöchigen Ausstellung Wasser! Fort! Au! Hilfe! Schön! Nicht! ihre Arbeiten vor. Sie sind und waren Studierende der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.

Hilfe!
Die Gruppenausstellung erobert einen Ort für die Kunst in Hamburg, der exemplarischer nicht sein könnte. Direkt neben dem Hauptbahnhof, im Bieberhaus am Hachmannplatz, platzieren Edgar L. und Anton C. Kunze die Ausstellung in Sichtweite der Kunsthalle. Der Titel der Ausstellung Wasser! Fort! Au! Hilfe! Schön! Nicht!, ist ein Sprachspiel des Philosophen Ludwig Wittgenstein und führt in die übergreifende Thematik der Schau.

Schön!
Dem Sprachspiel, das beispielhaft für die unterschiedlichen Bedeutungs- und Deutungsebenen von Wörtern steht, folgend, machen sich die Künstler auf die Suche nach der Benennungskompetenz aktueller Kunst - Was bleibt Darstellung? Was bleibt referenzversessene Beschreibung oder bestenfalls mythosbeladener Dekokommentar? Und wo vermag pauschaler Ästhetisierungverdacht zur Sinnlichkeitserfahrung umzubrechen?

Nicht!
Ähnlich der Optionen sprachlicher Bedeutungsebenen, die einen formalen Aspekt z.B. der Verwendung des Wortes "Wasser" als benennendes Substantiv durch die spezielle Verwendung und Konnotation des Ausrufes unmittelbar komplexere Bezüge zu emotionalen Affekten schafft und damit zum erfahrbaren Term erweitert wird, ist die formale Beschaffenheit vom künstlerischen Werk ein wichtiges Element mit hohem Einfluss auf Rezeptionsdauer und -intensität. Wo steht die junge Kunst von heute?





Zur Ausstellung
Carsten Tabel

"Man könnte auch sagen der Besitzer des visuellen Zimmers müßte doch wesensgleich mit ihm sein; aber er befindet sich nicht in ihm, noch gibt es ein Außen."
Ludwig Wittgenstein, PU § 399 ¦


In der Regel wird an dieser Stelle Platz gemacht für die Verbalisierung eines kuratorischen Programms, welches sich bemüht das Thema einer Ausstellung vorzustellen; meist in einer Art und Weise, die unterschwellig ihre Richtigkeit und Wichtigkeit betonen will. Da hier jedoch kein Kurator schreibt, sondern einer der Teilnehmer der Ausstellung, dem es an wirklichem Interesse für kuratorische Statements ebenso mangelt, wie an dem Glauben der Vermittelbarkeit von Richtig- und Wichtigkeit, könnte es passieren, dass Leser und potentielle Besucher schnell das Interesse verlieren, und sich anderweitig umsehen. Hier kommt jedoch nur eine im Kulturbetrieb nicht allzu beliebte Angewohnheit zur Geltung, die Bälle lieber flach zu halten, anstatt sich der angeblichen Großartigkeit der ganzen Sache zu widmen. Die Erfahrung zeigt, dass keine Ausstellung der Rhetorik ihrer Ankündigung gewachsen ist. Es gilt sich der Idee zu widersetzen, dass Kunst sich nicht in Räume wagen darf, bevor sie nicht von außen inhaltlich justiert und kontextualisiert wurde. In diesem Falle aber soll ein eigener Kontext behauptet werden, der sich erwachsen genug fühlt, die Stadt zu verlassen, um sich woanders einen Raum zu suchen und temporär zu besetzen; ohne, dass vorher jemand darum bat.




Download:
Dokumentation (Künstlerinfos, Texte, Abbildungen)
[Dateigröße: 1.3 Mb]



Wasser!
In einer Zusammenarbeit zwischen dem Leipziger Künstler Edgar L. und Anton C. Kunze (Galerie Hafen+Rand) entsteht eine thematisch geleitete Ausstellung aktueller Kunst, die eine interessante Räumlichkeit als kulturellen Ereignisort entdeckt und urbar macht. Dieses Umnutzen und für die Kunst "Urbarmachen" setzt sich in der Auseinandersetzung mit der Geschlossenheit von tatsächlichen, definierten Assoziations- und vorgeblich freien Gedankenräumen der künstlerischen Arbeiten fort.

Fort!
Neben Malerei von Jochen Plogsties und Johannes Rochhausen werden Fotografien von Oskar Schmidt und Edgar L. gezeigt. Weiterhin werden sich Casten Tabel und Sebastian Gögel jeweils mit einer Großskulptur, die Künstlerinnengruppe VIP mit einer Rauminstallation und Fotoarbeiten beteiligen sowie Sveinn Fannar Johannsson eine Videoarbeit und flankierende Fotografie vorstellen.

Die Ausstellung ist vom 2. bis 16. Juni von Mittwoch bis Sonntag 15 - 20 Uhr geöffnet.

Beteiligte Künstler:
Sebastian Gögel (*1978, Malerei / Skulptur)
Sveinn Fannar Johannsson (*1977, Video / Fotografie)
Jochen Plogsties (*1974, Malerei)
Edgar L. (*1977, Fotografie)
Johannes Rochhausen (*1981, Malerei)
Oskar Schmidt (*1977, Fotografie)
Carsten Tabel (*1978, Skulptur / Fotografie)
VIP (*1976,*1978,*1979, Installation)

Organisation:
Anton C. Kunze (Hafen+Rand) und Edgar L.

Kommunikation: Olaf Bargheer

Download:
Dokumentation (Künstlerinfos, Texte, Abbildungen)













Die Zusammenstellung der hier vertretenen Künstler ist zu großen Teilen begründet in einem diffusen Gefühl, das gemeinhin Künstlerfreundschaft genannt wird, dem der Begriff der "Kollegialität" aber vielleicht mehr entspricht. Zwar arbeitet jeder für sich, doch sind wir uns einig: ganz alleine geht es nicht. Der Austausch mit anderen wirkt als Bestandteil jeglicher Form von Arbeit der Stagnation entgegen, wie nichts anderes. Als Künstler hat man das Privileg sich seine Kollegen aussuchen zu dürfen, und manchmal auch den Nachteil, dass man keine finden will. Diese Vorgänge haben nicht nur zu tun mit vermuteten Ähnlichkeiten, sie werden durch sie bedingt. Dem Betrachter, wie sollte es auch anders sein, wird dies alles nicht unbedingt ins Auge springen; es ist vielmehr der Tonfall, dem er lauschen sollte, um etwas zu verstehen; soll lauschen wie er in ihm widerhallt, soll entscheiden ob er mitsummen kann oder ! lieber eine Kassette einlegt, weil im Radio nichts Gescheites kommt. Gefällt ihm aber nur eine einzige Malerei, eine einzige Fotografie, und sonst nichts, so sollte er bedenken, dass das Ungeliebte andere an diesem Bild hängt wie ein Rattenschwanz. Nach meinem Dafürhalten steht schönen Bildern ein solcher Rattenschwanz ganz besonders gut; er wird es nicht bemerken, und das lässt mich diebisch grinsen.








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