15. März - 20. April 2007    Oskar Schmidt & Christian Brandl:   ATTITUDE OF POSTURE

Oskar Schmidt - Mädchen mit Buch
Oskar Schmidt:Mädchen mit Buch (girl with book), C-Print, 124 x 95 cm, 2006


Wir freuen uns sehr, die beiden Künstler Christian Brandl und Oskar Schmidt in der katalanischen Hauptstadt zeigen zu können. Galerie Hafen+Rand Hamburg ist zu Gast in der Galeria Safia Barcelona.

Die Ausstellung ist vom 16. März bis 20. April 2007 zu sehen.
Zur Ausstellungseröffnung am Donnerstag, den 13. März laden wir herzlich ein.
Es erscheint ein Katalog.


Attitude Of Posture

A young girl in a short summer dress is kneeling on the bare floor, consumed in a book. Every fibre of the body appears tensed. The pose is somewhat artificial in distinct contrast to the otherwise relaxed pastime of reading.
The large format work Mädchen mit Buch (girl with book) can be seen as exemplary of Oskar Schmidts creative method.
With his meticulously arranged image worlds the photographer emancipates himself from the function of empirical demonstration that still adheres to the medium. The focus of interest is not on the reproduction of material reality but on the poetic transcending of the motif. The young girls pose is worked out in singular detail, lending the figure an enormous physicality within the image. Nevertheless, this conscious emphasising of the bodily presence in its near perfection in no way leads to a sexual provocation und still less to desire.
Instead, in contemplating the pure, almost idealised forms, the observer is thrown back upon herself. The uptake of the image passes through the recognition of the pictured ephemeral state to become a self-reflective act. Behind the painful witnessing of an irretrievably lost sensation may lie a tentative notion of eternity, detached from material space and perceptible time.
The representation of body, space and time in their continuity is also an essential component of the work of Christian Brandl.
In the painting pflanzen, for instance, the observer sees a cropped figure of a woman, lightly forwardly inclined, wearing a plain white dress and situated in a garden before suggestions of a house. The woman is surrounded by plants and a dense thicket of bush covering a part of her legs and hands. The leaning posture lends her figure the appearance of a frozen movement. The image thus obtains a momentary character, reminiscent of a film still. This circumstance reappears in almost all of Brandls works, in the paintings as well as in the dry point etchings. He seems to always want to extract a brief moment out of time: not in the narrative sense of the “decisive moment” with a corresponding before and after, but rather for its own sake. The individual figures are left to their own purposes or to their relations to one another, without being anchored in any sort of story. This impression is strengthened by the consistently rigorous composition. With the help of a multitude of lines and geometrical forms the painter works his way through the parameters of his medium, thoroughly celebrating the translation from space to surface, lending his figures both support and constraining boundaries at the same time.
The observer is thus granted the possibility of a way of seeing freed from talkativeness and which perhaps directs the gaze to the invisible.


Christian Brandl:Planzen, Öl/Leinen, 110 x 85 cm, 2005



Zur Ausstellung "Attitude Of Posture"

Ein junges Mädchen in einem kurzen Sommerkleid ist auf dem blanken Boden kniend in die Lektüre eines Buches vertieft. Ihr Körper scheint in jeder Faser gespannt zu sein. Die Pose hat etwas künstliches, steht deutlich im Widerspruch zur eigentlich entspannenden Beschäftigung des Lesens.
An der großformatigen Arbeit »Mädchen mit Buch« lässt sich Oskar Schmidts künstlerische Schaffensweise in gewisser Form exemplarisch ablesen. Durch die äußerst sorgfältigen Arrangements seiner Bildwelten emanzipiert sich der Fotograf von dem, seinem Medium immer noch anhaftenden Modus des empirischen Zeigens. Nicht die Abbildung von dinglicher Wirklichkeit steht im Mittelpunkt des Interesses, sondern eher eine poetische Transzendierung des Bildgegenstandes. Die Pose des jungen Mädchens wird bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und verleiht ihrer Gestalt eine enorm körperliche Präsenz im Bild.
Dabei führt die bewusste Hervorhebung jener an Vollkommenheit grenzenden Körperlichkeit zu keinerlei unmittelbar sexuellem Reiz oder gar Verlangen. Vielmehr wird man durch die Anschauung der reinen, fast schon idealen Formen auf sich selbst zurückgeworfen. Die Bildrezeption gelangt über das Erkennen des dargestellten ephemeren Zustands zu einem selbstreflexiven Akt. Hinter der schmerzlichen Wahrnehmung eines für immer verlorenen Gefühls liegt womöglich eine behutsame Idee der Ewigkeit, losgelöst von dinglichem Raum und erfahrbarer Zeit.
Die Darstellung von Körper, Raum und Zeit in ihrem Kontinuum ist auch in der Arbeit von Christian Brandl ein entscheidender Aspekt.
In der Malerei »Pflanzen« sieht man beispielsweise die angeschnittene, leicht nach vorn gebeugte Figur einer Frau, die in einem einfachen, weißen Kleid im Garten eines angedeuteten Hauses steht. Die Frau befindet sich inmitten von Pflanzen und einem dichtem Gebüsch, das im Bildvordergrund einen Teil ihrer Beine und Hände verdeckt. Die leicht gebeugte Pose verleiht ihrem Körper eine scheinbar eingefrorene Bewegung. Das Bild erlangt dadurch einen momenthaften Charakter, erinnert an einen Filmstill. Diesem Umstand begegnet man in fast allen Arbeiten Brandls, sowohl den Malereien als auch den Kaltnadelradierungen. Er scheint immer wieder einen kurzen Moment aus der Zeit herauslösen zu wollen. Jedoch nicht im narrativen Sinne eines ›entscheidenden Augenblicks‹ mit einem entsprechenden Davor bzw. Danach sondern eher aus reinem Selbstzweck.
Die einzelnen Figuren bleiben sich selbst oder ihrem Verhältnis untereinander überlassen, finden keine Verankerung in einer wie auch immer aussehenden Geschichte. Dieser Eindruck wird durch die stets strenge Bildkomposition verstärkt. Anhand einer Vielzahl von Linien und geometrischen Strukturen arbeitet sich der Maler an den Bedingungen seines Mediums ab, zelebriert geradezu die Übersetzung von Raum in Fläche. Seinen Figuren gibt er damit stützendes Gerüst und einschränkende Grenzen zugleich.
Dem Betrachter erschließt sich letztlich die Möglichkeit eines Sehens, das von jeglicher Geschwätzigkeit befreit ist und womöglich den Blick auf das Nichtsichtbare preisgibt.
Text: Thilo Scheffler, Leipzig Übersetzung ins Englische: Steven Black, Leipzig



Oskar Schmidt - Ruhendes Mädchen
Ruhendes Mädchen, C-Print, 2006


Galeria Safia Barcelona
Bruniquer, 9 Baixos
ES - 08012 Barcelona

Geöffnet: Di-Sa 10-14 und 17-20 Uhr


Weiterführende Links:
Galeria Safia








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