25. - 29.01.2007    Swantje Basedow - Abschlussausstellung Aufbaustudium             » DokuBilder


Swantje Basedow GRAEPTYCHON

Swantje Basedow
Basedow, 2005

In den vorliegenden Bildern von Swantje Basedow werden zwei Dinge schnell augenfällig, die im wesentlichen zusammenhängen und sich befördern. Zum einen der grundsätzlich klar strukturierte Bildaufbau. Ganz allgemein ist es fast erschreckend, wie einfach der kontrollierte Einsatz von waagerechten und senkrechten Linien nicht nur bei bildnerischer Gestaltung für uns Betrachter eine bestechliche Ordnung erzeugen, deren Prinzipien übertragbar, uns die Sicherheit und das Vertrauen schenken, eine Konstruktion sei stabil, die Dinge beherrsch- und überschaubar.
Klar gegliederte Bildräume, und eine eindeutige Figur-Grund-Beziehung scheinen auch in Basedows Bildern eine Orientierung schnell zu zulassen und verführen unvermittelt zum Entdecken der auffalligend flächig dargestellter Bildgegenstände. Sie ersetzen partiell die sonst realistische Malweise von Körperteilen, Bekleidung und Gegenständen durch zweidimensionale Abbildung in Orange und kontrastierendem Schwarz. Die menschliche Wahrnehmung eines umgrenzten Gegenstandes hebt diesen deutlich von seiner Umgebung und begreift ihn noch sicherer als Figur vor Grund.
Insofern kann die Malerei von Swantje Basedow den Betrachter in den Zustand formalen Wohlbefindens einer aufgeräumten Kulisse entlassen. Nun hat er Zeit, begeistert und vielleicht ein wenig ob der nackten Jünglinge versonnen, zu erkunden, was da noch vor sich geht und was es auf sich hat mit diesem Orange und bisweilen symbolisch anmutenden Bildinventar.
Basedow bedient sich mit diesem Gestaltungsmittel bei einem äußerst klassischem Abbildungsverfahren - der antiken Vasenmalerei Griechenlands. Zum Ausstellungstitel wählte sie ein Wortgebilde das Hinweis auf Herkunft des Sujets und durch den zweiten Teil (Ptychon - Tafel) die bewußte Arbeit mit den Formalitäten des mehrteiligen Tafelbildes bietet.
In einer Zeit in der die Weltsicht der Menschen dynamische Entwicklungen erfuhr und ein neues Selbstverständnis durch den Auftrieb neuer Disziplinen von Wissenschaft und Philosophie erlangte, bildeten Handwerker in hoher Profession szenische Abfolgen von Ereignissen, religiöse Sinnbilder und auch Alltäglichkeiten, wie Verfahren der Lebensmittelbehandlung auf Tongefäßen ab. Diese sind letztlich als erhaltene Zeugen und Scherbenarchive präsente Geschichtsschreibung und bilden damit die Hardware zu einer durch Modifizierungen (dem Textduktus folgend: "Updates") entwickelten Software unserer heutigen geistigen Prinzipienwelt. Stellt doch die griechische Antike den wichtigsten Quell gesellschaftlicher Entwicklung der westlichen Welt dar.

Unterstellt, dass Swantje Basedow nach einer Bildsprache sucht, die es schafft, die Dimension von Geschichtsträchtigkeit, Modernismus und einem akuten Gefühl zu vereinen, um atmosphärische Spannung zu erzeugen, kommt sie dem ganz nahe, wenn Flachdarstellung und Realismus im direkten Dialog stehen. Denn die Gleichzeitigkeit der Darstellungsweisen kann als erweiterter Renaissancegedanke gelten, in dem die Antike neu aufgegriffen und als bildnerisches Vorbild neuen künstlerischen Schaffens triumphierte. Ein "tönerner" Hahn, vom schönen Jüngling behutsam gehalten - dessen ebenso tönerner Unterbau in Leichtigkeit das Kippen seines Sitzfundaments austariert, mag fragen, wie nah die Künstlerin und letztlich auch wir dessen sind, was uns mal umgab, was neu ist und wohin es führen wird. Für Swantje Basedows Malerei ist "Graeptychon" ein Etappenziel und gleichzeitig eben doch nur eine Momentaufnahme nach dem Aufbaustudium.


Nach ihrem Studium an der HAW Hamburg wechselte Swantje Basedow zur Hochschule für bildende Künste Hamburg, um bei Werner Büttner ein Aufbaustudium der Malerei zu absolvieren. Die vorliegenden Arbeiten gehören einer Serie von Bildern an, die im Zuge des Aufbaustudiums entstanden sind.



Bilder der Vernissage und Ausstellung (Fotos: Dirk Ewald, A.C. Kunze)



GRAEPTYCHON, Vernissage am 25. Januar 2007



GRAEPTYCHON, Ausstellungsansichten


galerie hafen+rand
Friedrichstraße 28 / Hans-Albers-Platz
20359 Hamburg

geöffnet:
14-19 Uhr,
sowie nach Vereinbarung (0163 26 37 333)

Eröffnung: Donnerstag, 25.01.2007, ab 19 Uhr


Weiterführende Links:
Anfahrt hafen+rand - Stadtplan




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