21.12.2006 - 20.01.2007    Jan Sledz: Sammeln & Seltenes             » DokuBilder
Fünf Zimmer, Küche, Bad - Jugendzimmer(#2), Loop, 2006


Wir freuen uns sehr, zum Jahreswechsel wieder eine Ausstellung von Jan Sledz zu eröffnen.

In diesem Jahr wird der Leipziger Künstler erneut eine Kombination aus raumbestimmender Installation und der Präsentation von Videobildern zur Ausstellung bringen.

Zum Jahreswechsel zeigt Jan Sledz (*1976) eine Ausstellung unter dem einer Ebay-Kategorie entlehnten Titel "Sammeln & Seltenes".



Videostill
Pritsche mit Spiegel(#4), Still aus Videoarbeit, 2006

Sledz' Installationen manifestieren seine Auseinandersetzung mit über das Aktuelle hinausgehenden gesellschaftlichen Erscheinungen. Es ist die Suche nach einer Relevanz zum Akuten und dessen Konsequenzen, die seine Arbeiten auszeichnet und ihren (auch formalen) Ausdruck findet.
So zeigen seine meist mehrteiligen Videoarbeiten keine Filme mit ablaufender Handlung. Vielmehr zeigt er Bilder, denen er das Antlitz des konservierten Moments durch Hinzufügen der Zeitleiste nimmt. Und wenn auch die ästhetische Wirkung der Einzelbilder von großer Wichtigkeit ist, baut Sledz auf den Bezugsraum zwischen ihnen. Dort entstehen die Geschichten oder Abstraktionen, die Fragestellungen zulassen beziehungsweise befördern.
Ziel, wenn man es so nennen will, ist nicht der Kommentar etwa in der Rolle eines Beraters oder Urteilfällenden, sondern das Vermögen, eine Darstellung so zu erarbeiten, dass inhaltliche Arbeit (Fragestellung) und emotionale Erfahrung (Athmosphäre) für den Betrachter möglich wird.

Der Term "Sammeln & Seltenes" dient als Kategoriebezeichnung zum schlüssigen Dachbegriff einer Archivstruktur ohne inhaltliche Aussagekraft oder Information zum Sammlungsgegenstand. Briefmarken, Menschen, Kunst, überraschungseifiguren und Pornovideos - es lässt sich einfach alles auf dieser Welt mehr oder minder sortiert anhäufen.
Eine Beliebigkeit des Sammelns, die sich argumentativ durch "Wir waren ja schon immer Jäger und Sammler" in scheinbar antropologischer Kausalität und vor allem schnell erklären lässt. Nur einen Gedanken weiter beginnt das Dilemma.
Wie wirkt sich die gelebte Verallgemeinerung auf das Sammelgut selbst und seine Bedeutung aus?
Sind Negation und Nivelierung von Attributen und Wertbezügen eine logische Konsequenz des anhaltenden Drangs zu ökonomisierung und Steigerung der Warenförmigkeit in allen Lebensbereichen?

Videostill
Wohnzimmer (#3), Still aus Videoarbeit, 2006

Ebay verschließt sich dem Pornovideosammler. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen versagen ein solches Angebot und folglich gibt es keine vorgesehende Unterkategorie. Aber das Internet bietet auch weniger regulierten Raum zur Sammlung. Dieser Zugang bildet eine wenn auch ausstellungsspezifische Brücke zur gezeigten mehrteiligen Videorbeit "Fünf Zimmer, Küche, Bad". Die exemplarisch aus einem Fundus ausgewählten vier Videobilder zeigen von Jan Sledz zu Endlosschleifen geschnittene Momente aus Amateurpornovideos in denen die Akteure nicht im Bild sind. Der Blick ins Jugendzimmer, auf leere Betten und verwaiste Sitzecken transportiert den Zweifel am tatsächlichen Fehlen einer Handlung. Ähnlich tausender im Internet zu findender Webcamübertragungen, die oft rund um die Uhr an und für sich nur ein Nichts zeigen, aber durch ihre zeitlich dauernde Präsenz und die Brisanz einer Option von tatsächlicher Handlungsdarstellung dann doch mehr zu sagen haben als eine Fotografie des selben Ortes.
Vielmehr wirken die Interieurs als Zeugen. Das Setting beziehungsweise Milleu, kunstgeschichtlich schon bei der holländischen Interieurmalerei des 17. Jahrhundert und den verklärend chiffrierten Romantikdarstellungen von Innenräumen zu finden, wird zum Portrait privater und zeitgleich heimlich-öffentlicher Obsessionen.

Bilder der Ausstellung (Fotos: Anton C. Kunze)


"Sammeln & Seltenes", Quickbox, 208 x 208 x 280 cm, Ausstellungsansicht Außenraum


"Sammeln & Seltenes", Quickbox, 208 x 208 x 280 cm, Ausstellungsansicht Innenraum


"Sammeln & Seltenes", '5 Zimmer, Küche, Bad', 50 x 60 x 130 cm, Ausstellungsansicht


Bilder der Ausstellung (Fotos: Tranquillium Photography)



galerie hafen+rand
Friedrichstraße 28 / Hans-Albers-Platz
20359 Hamburg

geöffnet:
Mi-Sa 15-19 Uhr, (Do bis 23 Uhr)
sowie nach Vereinbarung (0163 26 37 333)

Eröffnung: 21.12.2006, 19 Uhr


Weiterführende Links:
Anfahrt hafen+rand - Stadtplan
Homepage: Jan Sledz





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