Der Malerei von Inge Buschmann auf die Spur zu kommen, ist nicht ganz so einfach, wie es sich im ersten Moment anzulassen scheint. Betrachtet man die Acrylbilder durchs Monokel der konventionellen Rezeption einer Einzelausstellung, welche im gleichen Schritt Fragen nach künstlerischem und biografischem Hintergrund des Künstlers stellt, wird es schwer, die Klippen vorschneller Urteile zu umschiffen.
Es schon interessant zu wissen, dass die Künstlerin halbjährlich den Wohnort zwischen Hamburg und Byron Bay (Australien) wechselt, nicht jedoch ihre Beschäftigung mit Pinsel und Farbe. Dass sie vor der freischaffenden Malerei als Objektdesignerin und mit Jahrgang 1956 sicher auch anderes sah als manch junger Künstler, dessen Arbeit bei Hafen+Rand zu sehen war. Nur wirken diese Fakten nur bedingt relevant zum Ausstellungsgegenstand.
Die vorliegenden Arbeiten entstanden alle in den letzten Jahren in Hamburg und man mag vielleicht meinen, dass sie uns den Beweis ein wenig schuldig bleiben, was diesen saisonalen Lebenswandel ausmacht und ob er überhaupt spürbaren Niederschlag in den jeweiligen Werken findet.
Doch letztlich ist der Umgang mit Inge Buschmanns Bildern durch die Konzentration auf hiesige Arbeiten um den Faktor des "Wahlexilantentum" entschlackt. Ein Grund mehr, sich vorerst den Bildern als solchen zu zuwenden.
Inge Buschmann "Capri", 100 x 70 cm, Acryl / Leinen
Nähert man sich den Motiven inhaltlich, entwickelt sich das Erzählerische rückbezogen. Es scheinen gegenwärtige Abbilder einer Vergangenheit zu sein, deren dargestellte Situationen bzw. Handlungen wie ein alter Bekannter eher die guten Zeiten in uns berührt als den überstandenen Ernst des Lebens zu repetieren. Sicher, ein gewisses melancholisches Element ist trotz der oft distanzierenden Beobachtungsperspektive unübersehbar - ob nun beim Tanz zur Goldenen Hochzeit oder dem Blick auf den ungespannten Sonnenschirm vor fliegendem Grün.
Es scheint nicht wesentlich für Buschmanns Werk zu sein, wann Personen erscheinen und wann sie fehlen. Menschen beim Feiern, eine Szene auf der Straße, der Schattenwurf einer Balkonbrüstung, ein einsamer Sonnenschirm im nächtlichen Wind - Bilder, die die Künstlerin meist beiläufig auffängt und welche zum festen Inventar ihrer Erinnerungskultur werden, um ihnen später als Motiv der Malerei erneut zu begegnen.
Inge Buschmann spielt eher unbewusst und intuitiv mit der Symbolhaftigkeit ihrer Darstellung, als dass eine klare Entscheidung der realistischen Malweise abzulesen ist. Während eine gelb-schwarz gestreifte Bake ("Max Headroom (Heimweg)") als formales Mittel zugleich inhaltliches Warnsignal und in der Übertragung die zurückblickenden Frauen aus einer Art (Shopping)Portal treten lässt, fällt es bei "5 Schubkarren" vorm Hintergrund der Reflektionsarbeit der Künstlerin schwer, einen solch multidirektionalen Komplex zu erkennen und deshalb nicht in eine platte Dechiffrierungsfalle über das Bildmotiv zu stolpern. In dieser sitzt man vielleicht längst schon und die Befreiung kann der Ansatz bringen, die Arbeit mit ihrer Bedeutungsschwangerschaft im Titel etwas abzusetzen.
Denn ähnlich wie die nüchtern betitelten "Goldene Hochzeit", "Capri" oder "Sonnenschirm im Lapa Palace" bietet "5 Schubkarren" mehr eine Projektionsfläche denn vermeintlich zu entschlüsselnden Code. Hier wirkt Buschmanns Strategie, über das Verhältnis der Bildgegenstände zueinander, ihre Interaktion oder situative Raumbeziehung Stimmungslagen zu produzieren, welche durch die klare Struktur der Bildräume gehalten werden.
Der Titel "Begegnungen" mag nach einer gewissen Verlegenheit klingen: Auf der Suche nach dem schmerzfreien Deckel, unter dem die Exponate einer vielschichtigen und bisweilen indifferenten Thematik, wie der Umgang mit der eigenen Erfahrungswelt, passen. Faktisch aber gibt er einen Hinweis auf den selbstreflektierten Umgang mit diesen Erinnerungssujets und ist ein Stück Lösung zugleich, denn man begegnet tatsächlich nur, wenn man sich selbst bewegt.
Inge Buschmann "Diner", 80 x 120cm , Acryl / Leinen
Inge Buschmanns Arbeiten sind vom 11. bis 29. Mai in der Galerie Hafen+Rand, Friedrichstraße 28 auf St.Pauli zu besichtigen.
Kurzvita
1956 geboren in Gelsenkirchen
1971 - 1973 Schneiderlehre
1973 - 1975 Fachoberschule für Gestaltung
1975 - 1979 Studium Objektdesign, Hochschule Niederrhein, Krefeld, bei Prof. Kirchberger und Prof. Albrecht
1979 Diplom
Inge Buschmann lebt und arbeitet in Hamburg und
Byron Bay, Australien.