
Bea Winkler
Hamburg
Malerei
Murals
o.T., 2005
Tusche/Graphit
auf Leinen
175 x 150 cm
Die Orte, die uns Bea Winkler mit Ihrer Malerei zeigt, werden wohl in keinem Atlas zu identifizieren sein.
Betrachtet man die Landschaften mit ruhigem Auge stellt sich schnell ein seltsam nahes Gefühl zwischen Anteilnahme und Verstörung ein.
Ursächlich sind dafür wohl weder allein der Blick auf bekannte geologische Formationen, weiche Anhöhen mit schroffen Bruchkanten, felsige Steilufer, weite Tiefebenen und ruhig liegende Wasserflächen noch die in allen Werken wiederkehrenden architektonischen Interventionen, sondern vielmehr die Komplexität einer Szenerie deren atmosphärische Verdichtung durch weitgeholte Perspektiven eingefasst, aus mehreren Quellen gespeist wird.
Ein Chalet, ein Terminal auf Stelzen, Bürokomplexe, an Schwimmbadbauten erinnernde Konstruktionen oder im Extremfall auch seltsam anmutende Betonriegel strukturieren formal und verwirren trotz ihrer besonnenen Platzierung in den fragilen Naturräumen zugleich. Die durchaus massiven Gebäude verraten durch die Gestalt ihre Entlehnung. Nur was sollen sie hier im Nirgendwo?
Leerstand, Disfunktion, Fehlplanung - das Gefühl auf das falsche Pferd gesetzt zu haben und eine gewisse resignative Ödnis verströmen die kargen Welten Bea Winklers.
Raumgreifende Gangways, nüchterne Plattformen und gesichtslose Stützkonstruktionen geben in der formalen Leerstelle zwischen dem Naturell der Geographie und sichtbar urbanem Leben entrissener Funktionsbauten einen Halt.
Die metaphorische Kraft dieser richtungsweisenden Bildstabilisatoren schafft Raum für Fragestellungen nach tatsächlicher Verortung unserer Erfahrungswelten und die nahezu symbolistische Vergegenwärtigung von Erwartung, Opportunität und Vergänglichkeit.
Bea Winklers Arbeitsweise spiegelt das rezipatorische Erlebnis.
Um die aus Versatzstücken der Erinnerung - gefundene und eigene Fotografien, Naturerlebnisse und Beobachtungen im Stadtraum - hervorgehenden Bildwelten zu realisieren, beginnt sie durch Konstruktion der Perspektivräume mittels Graphitlinien den zumeist großformatigen Malgrund zu gliedern. Die Füllung geschieht mit farbigen Tuschen, wobei die Farbigkeit gedämpft zum Einsatz kommt. Technische Folge der Farbmittelwahl ist eine Transparenz, die Körperflächen von bizarrer, zuweilen indifferenter Angreifbarkeit erzeugt und in der freien Verwendung, z.B. beim Anlegen von Himmelstrukturen an aquarellierte Naturdarstellungen impressionistischer Freiluftmaler erinnert. Nicht zu letzt ergibt die einhergehende sehr beschränkte Korrekturmöglichkeit eine leichtere und offene Darstellung.
Und weiter?
Die Bilder führen weniger den Anspruch eine Geschichte zu vermitteln, als vielmehr ihr und weiterer Versionen Raum zu bieten. Wobei die Künstlerin eben vom Eindruck subjektiver Erinnerungsbearbeitung den Vorhang dieser räumlich unbegrenzten Bühnen öffnet und zum Gedankenkino in ihrem Set einlädt.
Die Ausstellung ist bis zum 27.03.2006 zu besichtigen.
o.T., 2006
Bea Wikler - Kurzvita
1970 geboren in München
1997-2003 Studium Malerei/Grafik bei Prof. Erwin Gross an der Kunstakademie Karlsruhe
2001-2004 Mitarbeit in der Produzentengalerie POLY e.V.
2002-2003 Meisterschülerin bei Prof. Erwin Gross
seit 2004 lebt und arbeitet als freie Künstlerin in Hamburg
o.T., 2006
Ausstellungen (Auswahl):
2001 Demokratie, Gemeinschaftsausstellung, Marichef, Karlsruhe
1st floor, Deckenprojekt, Einzelausstellung, Poly, Karlsruhe
2002 Fassade, Hausfassadenprojekt, Gemeinschaftsausstellung, Poly , Karlsruhe
A la Pointe de'l Ouest, Gemeinschaftsausstellung, Quimper, Bretagne
Winterausstellung/Preis der Akademie, Kunstakademie Karlsruhe
2003 MeisterschülerInnen TOP 3, Gemeinschaftsausstellung, Kunsthalle Baden-Baden
Poly*, Gemeinschaftsausstellung, Orgelfabrik Durlach
2005 Panorama Inn, Einzelausstellung, Poly Galerie, Karlsruhe
off season, Einzelausstellung, KX., Hamburg
2006 peripherie, Einzelausstellung, Galerie Hafen+Rand, Hamburg
Bilder der Ausstellung:
Bea Winkler, beide Arbeiten o.T., 2006
Bea Winkler, Wandarbeit zur Ausstellung "peripherie", 2006
Bea Winkler, o.T.(Chalet), 2006
Bea Winkler, o.T., 2005