09.-27.03.2006    Bea Winkler: peripherie >> Bilder der Ausstellung
Bea Winkler Bea Winkler
Hamburg

Malerei
Murals










o.T., 2005
Tusche/Graphit
auf Leinen
175 x 150 cm



Die Orte, die uns Bea Winkler mit Ihrer Malerei zeigt, werden wohl in keinem Atlas zu identifizieren sein.
Betrachtet man die Landschaften mit ruhigem Auge stellt sich schnell ein seltsam nahes Gefühl zwischen Anteilnahme und Verstörung ein.
Ursächlich sind dafür wohl weder allein der Blick auf bekannte geologische Formationen, weiche Anhöhen mit schroffen Bruchkanten, felsige Steilufer, weite Tiefebenen und ruhig liegende Wasserflächen noch die in allen Werken wiederkehrenden architektonischen Interventionen, sondern vielmehr die Komplexität einer Szenerie deren atmosphärische Verdichtung durch weitgeholte Perspektiven eingefasst, aus mehreren Quellen gespeist wird.

Ein Chalet, ein Terminal auf Stelzen, Bürokomplexe, an Schwimmbadbauten erinnernde Konstruktionen oder im Extremfall auch seltsam anmutende Betonriegel strukturieren formal und verwirren trotz ihrer besonnenen Platzierung in den fragilen Naturräumen zugleich. Die durchaus massiven Gebäude verraten durch die Gestalt ihre Entlehnung. Nur was sollen sie hier im Nirgendwo?
Leerstand, Disfunktion, Fehlplanung - das Gefühl auf das falsche Pferd gesetzt zu haben und eine gewisse resignative Ödnis verströmen die kargen Welten Bea Winklers.

Raumgreifende Gangways, nüchterne Plattformen und gesichtslose Stützkonstruktionen geben in der formalen Leerstelle zwischen dem Naturell der Geographie und sichtbar urbanem Leben entrissener Funktionsbauten einen Halt.
Die metaphorische Kraft dieser richtungsweisenden Bildstabilisatoren schafft Raum für Fragestellungen nach tatsächlicher Verortung unserer Erfahrungswelten und die nahezu symbolistische Vergegenwärtigung von Erwartung, Opportunität und Vergänglichkeit.

Bea Winklers Arbeitsweise spiegelt das rezipatorische Erlebnis.
Um die aus Versatzstücken der Erinnerung - gefundene und eigene Fotografien, Naturerlebnisse und Beobachtungen im Stadtraum - hervorgehenden Bildwelten zu realisieren, beginnt sie durch Konstruktion der Perspektivräume mittels Graphitlinien den zumeist großformatigen Malgrund zu gliedern. Die Füllung geschieht mit farbigen Tuschen, wobei die Farbigkeit gedämpft zum Einsatz kommt. Technische Folge der Farbmittelwahl ist eine Transparenz, die Körperflächen von bizarrer, zuweilen indifferenter Angreifbarkeit erzeugt und in der freien Verwendung, z.B. beim Anlegen von Himmelstrukturen an aquarellierte Naturdarstellungen impressionistischer Freiluftmaler erinnert. Nicht zu letzt ergibt die einhergehende sehr beschränkte Korrekturmöglichkeit eine leichtere und offene Darstellung.

Und weiter?
Die Bilder führen weniger den Anspruch eine Geschichte zu vermitteln, als vielmehr ihr und weiterer Versionen Raum zu bieten. Wobei die Künstlerin eben vom Eindruck subjektiver Erinnerungsbearbeitung den Vorhang dieser räumlich unbegrenzten Bühnen öffnet und zum Gedankenkino in ihrem Set einlädt.

Die Ausstellung ist bis zum 27.03.2006 zu besichtigen.

o.T., 2006

Bea Wikler - Kurzvita

1970               geboren in München
1997-2003    Studium Malerei/Grafik bei Prof. Erwin Gross an der Kunstakademie Karlsruhe
2001-2004    Mitarbeit in der Produzentengalerie POLY e.V.
2002-2003    Meisterschülerin bei Prof. Erwin Gross
seit 2004       lebt und arbeitet als freie Künstlerin in Hamburg

o.T., 2006

Ausstellungen (Auswahl):

2001               Demokratie, Gemeinschaftsausstellung, Marichef, Karlsruhe
                        1st floor, Deckenprojekt, Einzelausstellung, Poly, Karlsruhe
2002               Fassade, Hausfassadenprojekt, Gemeinschaftsausstellung, Poly , Karlsruhe
                        A la Pointe de'l Ouest, Gemeinschaftsausstellung, Quimper, Bretagne
                        Winterausstellung/Preis der Akademie, Kunstakademie Karlsruhe
2003               MeisterschülerInnen TOP 3, Gemeinschaftsausstellung, Kunsthalle Baden-Baden
                        Poly*, Gemeinschaftsausstellung, Orgelfabrik Durlach
2005               Panorama Inn, Einzelausstellung, Poly Galerie, Karlsruhe
                        off season, Einzelausstellung, KX., Hamburg
2006               peripherie, Einzelausstellung, Galerie Hafen+Rand, Hamburg


Bilder der Ausstellung:

Bea Winkler, beide Arbeiten o.T., 2006


Bea Winkler, Wandarbeit zur Ausstellung "peripherie", 2006


Bea Winkler, o.T.(Chalet), 2006


Bea Winkler, o.T., 2005


Poly Galerie, Karlsruhe
Anfahrt hafen+rand - Stadtplan