Der Leipziger Video- und Installationskünstler Jan Sledz, zur Zeit
Meisterschüler bei Prof. Joachim Blank an der Hochschule für Grafik und
Buchkunst zu Leipzig, stellt mit einer raumfüllenden Installation
einen Formulierungsversuch vom Erleben subjektiver Befindlichkeit in
diamentralen Kontexten wie Historie und Moderne, Natur und Labor,
Entblößung und Verhüllung, Intro- und Extrovertiertheit vor.
Mit dem Titel "Bethlehem" bedient sich der Aufbau der christlichen
Geschichte um den Ort der Geburt Jesus von Nazareth. Den Ort Marias
Niederkunft rezitierend, baut Sledz mit der modernen Landwirtschaft
entlehnten, in Kunststofffolien eingeschlagenen Strohballen ein Setting,
in welchem Kleinräume und ein schmaler Gang die Durchquerung des
eigentlichen Ausstellungsraumes nicht ohne körperlichen Kontakt zum
Material erlauben werden.
In Sledz' Oeuvre findet sich immer wieder die Beschäftigung mit den
Latenzen der westlichen, postindustriellen Zivilgesellschaft bzw. der
ihr unterworfenen Menschen - uns.
Grundsätzliche Fragestellungen zur Begriffsfindung für heutige
gesellschaftliche Erscheinungen bieten den Sockel für die
Auseinandersetzung mit den Auswirkungen aktueller Systeme alltäglicher
Organisation auf den Menschen in Gruppe als auch als Individuum.
Jan Sledz' Arbeiten kreisen die Sujets ein - Ängste, Unsicherheiten,
Bedrohung, Scham, unterdrückte Begierden und die stetige Abstrahierung
von dem was sicher war, die Entfremdung von dem was angeblich gut, weil
vergangen war. In die Zukunft erweitert, beschleicht uns die Befürchtung
garnicht mehr formulierbaren weil indifferenten und hyperkomplexen
Risiken ausgesetzt zu sein. Für Sledz scheint dies ein logischer Schluss
- Steigerung der Latenz bei gleichzeitiger Verringerung der Evidenz
solcher Risiken.
Dabei transportieren seine Arbeiten weder formal noch inhaltlich ein
Postulat, eine Anklage oder gar Weisung.
Die Videoarbeiten und Installationen Jan Sledz' eröffnen dem Betrachter
vielmehr die Chance, durch die erlebte Subjektivität seiner
Empfindungen, zu einer bewußten ueber die Befindlichkeit eines Moments
im Galerieraum hinausreichenden Gewahrmachung der jedem innewohnenden
latenten
Gefühlszustände.
Wir danken dem biologisch wirtschaftenden Hermannshof an der Wümme für die technische Unterstützung.
- Pressetext Anton C. Kunze
Termine von "BETHLEHEM":
22.12.2005 - Vernissage
24.12.2005 - Hlg bnd - Glühwein und Kunstgespräch